Aktuelles vom 21.07.2022

Lernen mit Mindmaps: Wie gut funktioniert die Lernmethode?

Wie Mindmaps das Lernen erleichtern k├Ânnen.

In der Schule fand ich Mindmaps doof. Ich habe sie mit Zeitverschwendung verbunden und konnte mir nicht vorstellen, dass sie mir beim Lernen helfen. Auf der anderen Seite wurde und wird die Lerntechnik immer wieder als unverzichtbares Mittel zur Pr├╝fungsvorbereitung angepriesen.

Also habe ich vor kurzem beschlossen, der Mindmap eine zweite Chance geben. F├╝r eine meiner Klausuren an der Fernuni habe ich voll auf die f├╝r mich ungewohnte Lernmethode gesetzt. Und was soll ich sagen? Das Ergebnis war ├╝berraschend positiv, wenn auch nicht f├╝r alle Anwendungsf├Ąlle geeignet.

Kurzer ├ťberblick: Was ist eine Mindmap?

Mindmapping ist eine Lernmethode, die schon in den 1960er-Jahren vom Engl├Ąnder Tony Buzan entwickelt wurde, und seitdem fester Bestandteil des weltweiten Lernens geworden ist.

Die Grundidee ist folgende: Zu einem ├╝bergeordneten Thema werden alle Inhalte, Ideen etc. nicht in einer langen Liste, sondern in einer Baumstruktur festgehalten. Das zentrale Thema steht in der Mitte, alles Weitere h├Ąngt an ├ästen rundherum. So k├Ânnen zum Beispiel Ideen gesammelt, Pr├╝fungsinhalte strukturiert oder Vokabeln gelernt werden.

Die Erstellung soll m├Âglichst kreativ und flexibel sein. Es k├Ânnen nach Belieben Farben, Formen und kleine Bilder erg├Ąnzt werden. So erh├Ąlt man am Ende eine sehr individuelle und bunte Mindmap, die perfekt zum eigenen Lernverhalten passt.

Die Verkn├╝pfungen helfen dabei, sich die Inhalte besser zu merken. Sie geben dem Gehirn eine klare Struktur vor und sind leichter zu merken als beispielsweise eine lange Liste. Durch die zus├Ątzlichen Bilder und Farben kommt au├čerdem ein visueller Faktor ins Spiel.

Mein Anwendungsfall f├╝r den Mindmap-Praxistest

Um das Mindmapping auf Herz und Nieren zu testen, habe ich eine meiner aktuellen Klausuren (Thema: Marketing) ausgew├Ąhlt. Zur Pr├╝fungsvorbereitung musste ich eine ganze Reihe von Definitionen, Erl├Ąuterungen etc. auswendig lernen; dazu kamen noch ein paar Rechenaufgaben. Au├čerdem mussten die verschiedenen Themen immer wieder inhaltlich verkn├╝pft werden.

Auf den ersten Blick also ein perfektes Anforderungsprofil f├╝r die Mindmap-Lernmethode.

Die Ziele waren auch klar: Alle Inhalte, die ich im Laufe des Semesters kennengelernt hatte, wiederholen und vor allem einpr├Ągen. Das sollte doch machbar sein, oder?

Konkrete Umsetzung: Mindmap erstellen

Wer eine Mindmap erstellen m├Âchte, hat grunds├Ątzlich zwei Varianten: klassisch mit Zettel und Stiften oder digital mit einem der zahlreichen Mindmap-Tools. Eine eindeutige Empfehlung kann ich dir leider nicht geben, die beiden Methoden sind Geschmackssache.

Aber lass uns einen Blick auf die jeweiligen Vorteile der beiden Varianten werfen. Dann kannst du dich sp├Ąter besser entscheiden:

Vorteile der klassischen Mindmap Vorteile der digitalen Mindmap
Die Erstellung ist kreativer und einfacher. Es gibt keine Platzprobleme, die Mindmap kann beliebig gro├č werden.
Das manuelle Erstellen unterstützt das Lernen. Die Äste und Inhalte lassen sich flexibel verschieben oder neu sortieren.
Farben, Formen und Bilder sind leichter zu benutzen. Die digitale Variante ist ├╝berall verf├╝gbar.
Man erh├Ąlt ein "greifbares" Ergebnis. Moderne Mindmap-Programme bieten umfangreiche Formatierungen.

Ich habe mich bei meinem Praxistest f├╝r die digitale Variante entschieden.

In erster Linie habe ich bef├╝rchtet, dass ich auf einem DIN A4 Blatt Platzprobleme bekommen werde (was sich sp├Ąter als richtig erwiesen hat). Au├čerdem bin ich kein besonders kreativer Kopf, sondern lege viel Wert auf Struktur und Ordnung. Deshalb wollte ich unbedingt die M├Âglichkeit haben, meine Inhalte sp├Ąter nochmal neu zu sortieren.

Aber denk dran: Ob digital oder klassisch ist reine Geschmackssache. Richtig oder falsch gibt es hier nicht!

Meine Mindmap-Software: Xmind

Ganz konkret habe ich das kostenlose Mindmap-Programm Xmind genutzt. Xmind bietet meiner Meinung nach alle wichtigen Funktionen und ist einfach zu bedienen. Du kannst verschiedene Farben, Formen und Strukturvorlagen nutzen; au├čerdem gibt es einige Tastenkombinationen, die dir das Leben noch einfacher machen.

Perfekt ist die Software allerdings auch nicht: Beim Start ist Xmind recht langsam, was sich zum Gl├╝ck w├Ąhrend der Bearbeitung legt. Um die Mindmap zu sichern, kann man zwar eine Bilddatei (png-Format) erstellen, f├╝r ein PDF br├Ąuchte man allerdings die kostenpflichtige Pro-Version. Auch die Nutzung der Formatierungen ist hier und da etwas umst├Ąndlich.

Xmind ist also eine solide, schlichte L├Âsung, die f├╝r meine Bed├╝rfnisse absolut ausreichend ist. Wer noch mehr formatieren, einf├Ąrben etc. m├Âchte, sollte ggf. nach einer anderen Software suchen.

Mindmap erstellen: So funktioniert's!

Nun hatte ich also meine Software und jede Menge Pr├╝fungsstoff vor der Nase, der in Mindmaps umgewandelt werden wollte. Der erste Schritt war recht eindeutig: Ich brauchte die zentralen Begriffe f├╝r die Mitte meiner Mindmaps.

Da meine Klausur sich mit Marketing besch├Ąftigt hat, war auch die Einteilung schnell gefunden: die klassischen vier PÔÇÖs des Marketings (Produktpolitik, Preispolitik, Kommunikationspolitik und Distributionspolitik). Zus├Ątzlich habe ich noch eine f├╝nfte Mindmap erstellt, auf der ich alle potentiellen Rechenaufgaben gesammelt habe.

Auf dieser Basis habe ich mir meine Kursskripte nochmal angeschaut und die wichtigsten Themen auf den f├╝nf Mindmaps gesammelt.

Das zentrale Motto dabei: Einfach drauf los!

Ich habe wenig Zeit in Farben oder Formen investiert, sondern mich voll auf die Inhalte und die Struktur der Mindmap konzentriert. Auf diese Weise konnte ich recht z├╝gig meine Mindmaps erstellen. Selbstverst├Ąndlich kannst Du schon w├Ąhrend der Erstellung auf Farben achten und kleine Bilder malen. Wie gesagt: Das ist reine Geschmackssache.

Sobald ich eine Mindmap fertig hatte, habe ich mir alles nochmal angeschaut und ├╝berlegt, ob die Struktur wirklich sinnvoll ist. Dann habe ich hier und da noch ein paar Begriffe verschoben, erg├Ąnzt oder umbenannt.

Insgesamt hat sich aber gezeigt: Die erste, intuitive Struktur war in den meisten F├Ąllen absolut richtig und perfekt f├╝r mein individuelles Lernen und Verstehen.

Hat die Erstellung gut funktioniert?

Ganz klar ja! Beim Erstellen einer Mindmap zeigt sich die gr├Â├čte St├Ąrke der Lernmethode: Sie ist einfach, intuitiv und bringt Abwechslung in den oft eint├Ânigen Lernalltag. Man k├Ânnte sogar sagen: Mindmapping macht Spa├č!

Allerdings muss man auch festhalten: Es kostet etwas Zeit, sich die ganzen Inhalte nochmal zurecht zu legen und in einer Mindmap festzuhalten. Das solltest du nicht untersch├Ątzen. Zum Gl├╝ck ist diese Zeit nicht verschwendet, sondern du setzt dich nochmal intensiv mit den Inhalten auseinander und baust in Deinem Kopf die ersten Verkn├╝pfungen und Strukturen.

Eine Schwierigkeit bringt die Erstellung aber doch mit sich. Man st├Â├čt immer wieder auf die Frage: Wie detailliert sollte ich die Inhalte in meine Mindmap ├╝bertragen? Geht man zu sehr ins Detail, wird die Mindmap schnell un├╝bersichtlich. Bleibt man zu oberfl├Ąchlich, k├Ânnten wichtige Details verlorengehen, weil man sie sp├Ąter zu grob wiederholt.

Eine perfekte L├Âsung kann ich Dir f├╝r dieses Problem leider nicht anbieten; das h├Ąngt zu sehr vom Einzelfall und vor allem von Deiner Zielsetzung ab. Willst du dir vor allem einen ├ťberblick ├╝ber die Pr├╝fungsinhalte verschaffen, reicht sicherlich die grobe Variante. Willst Du hingegen intensiv lernen, musst du wohl etwas mehr ins Detail gehen.

Ich habe eine Mindmap erstellt, und nun?

Sobald die Mindmaps fertig sind, geht das Lernen erst richtig los. Schlie├člich muss man die Inhalte auch mit einer Mindmap regelm├Ą├čig wiederholen. An dieser Stelle unterscheiden sich Mindmaps kaum von anderen Lernmethoden. Man schaut sich die Inhalte regelm├Ą├čig an und versucht sie zu behalten. Daher ist die zentrale Frage:

Wie gut helfen die Mindmaps beim Einpr├Ągen des Pr├╝fungsstoffs?

Das Wichtigste vorweg: Mir haben die Mindmaps sehr geholfen. F├╝r mich hat sich jede Minute Arbeit gelohnt und sp├Ąter in der Pr├╝fung wieder ausgezahlt.

Ganz konkret sind mir die folgenden Vorteile aufgefallen:

  • Ich hatte durch die Mindmaps einen besseren ├ťberblick ├╝ber die verschiedenen Themen und Inhalte. Allein diese Grobstruktur hat sich als sehr hilfreich herausgestellt, da ich beim Lernen immer genau wusste, wo ich gerade war. So habe ich mich nicht im sehr umfangreichen Pr├╝fungsstoff ÔÇ×verlorenÔÇť.
  • Die Zusammenh├Ąnge zwischen den Themen wurden klarer und waren pr├Ąsenter. Sowohl durch die reine Erstellung der Mindmap als auch durch das Lernen der ├äste konnte ich mir die Verkn├╝pfungen und inhaltlichen Perspektiven besser merken.
  • Als visueller Lerntyp habe ich davon profitiert, die Inhalte in gezeichneter Form vor mir zu haben. Die Inhaltsb├Ąume bleiben einfach besser im Kopf als langweilige Listen.
  • Indem ich die Mindmap erstellt und anschlie├čend wiederholt habe, hatte ich automatisch einen Lerneffekt, weil ich mich mehrfach mit den Themen auseinandergesetzt habe.

Trotz der vielen Vorteile haben die Mindmaps auch Schattenseiten, die ich dir auf keinen Fall verheimlichen m├Âchte.

Die folgenden Dinge haben sich als st├Ârend und schwierig herausgestellt:

  • Die Mindmaps sind am Ende recht gro├č geworden. Das hatte einen ganz praktischen Nachteil: Ich konnte sie mir de facto nicht mehr in G├Ąnze auf meinem Bildschirm anschauen. Ich habe also viel zoomen und das Bild hin- und herschieben m├╝ssen, um wirklich alle ├äste sehen zu k├Ânnen. Dadurch ist ein Teil der ├ťbersichtlichkeit wieder verloren gegangen.
  • Damit die Mindmaps nicht ausufern, habe ich hier und da einige Details weggelassen. Das kann nat├╝rlich positiv sein, bei mir stellte sich das Ganze eher als Problem dar. Am Ende habe ich die Details n├Ąmlich wieder umst├Ąndlich in den Kursunterlagen nachgeschlagen.
  • Um Rechenwege zu verinnerlichen, sind Mindmaps meiner Meinung nach nicht geeignet. Man kann sich zwar einen ├ťberblick ├╝ber die wichtigsten Anwendungsf├Ąlle verschaffen, zur Pr├╝fungsvorbereitung w├╝rde ich dennoch immer auf Karteikarten f├╝r die Formeln und zahlreiche ├ťbungsaufgaben setzen.

Mindmaps sind eine super Lernmethode

Insgesamt kann ich Dir das Mindmapping als Lerntechnik absolut empfehlen. Zugegebenerma├čen muss man sich erstmal auf das Vorgehen einlassen und es eignet sich auch nicht f├╝r jeden Anwendungsfall (z.B. nicht f├╝r Rechenaufgaben). Aber f├╝r ├╝bersichtliches und strukturiertes Lernen ist die Lernmethode perfekt.

Wie Du die Mindmaps konkret erstellst, bleibt Dir selbst ├╝berlassen. Ich habe Dir zwar ein paar Tipps gegeben, die mir geholfen haben, dennoch solltest du bei den Details deinen pers├Ânlichen Weg finden. Probiere es am besten einfach mal aus!

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